Rio Mamore Zwergbuntbarsch - lat. Apistogramma erythrura
✔ Becken ab 80cm |
✔ Carnivore |
✔ Paar / Harem |
✔ Größe ~8cm |
✔ Südamerika |
✔ Alter bis 4 Jahre |
Der Apistogramma erythrura in der Natur
Apistogramma erythrura, der Río-Mamoré-Zwergbuntbarsch, gehört zur Familie der Buntbarsche (Cichlidae). Die Art war in der Aquaristik seit den 1990er-Jahren als Apistogramma sp. „Mamoré“ bekannt und wurde 2008 von Wolfgang Staeck und Ingo Schindler wissenschaftlich beschrieben. Der Artname erythrura nimmt Bezug auf die auffällig rötliche Schwanzflosse vieler ausgewachsener Männchen.
Die Art ist aus dem bolivianischen Departamento Beni bekannt. Das wissenschaftlich gesicherte Verbreitungsgebiet liegt im Einzugsgebiet des unteren Río Mamoré. Bestätigte Fundorte erstrecken sich vom Einzugsgebiet des Río Yata im Westen bis zum Río-Itonamas-System im Osten. Das Gebiet gehört über Río Mamoré und Río Madeira zum Amazonasbecken. Apistogramma erythrura bewohnt flache, strömungsarme Uferzonen kleiner Klarwasserbäche und Seen.
Die Gewässer sind klar bis bräunlich-gelb gefärbt. Besonders häufig halten sich die Fische unter schwimmenden oder über die Oberfläche reichenden Pflanzenbeständen auf. Genannt werden unter anderem Wasserhyazinthen, Haarnixen, Süßgräser und Wasserschläuche. Die dichte Vegetation bietet Deckung, Jagdflächen und räumlich getrennte Kleinreviere.
Wasserwerte in der Heimat der Apistogramma erythrura
An den untersuchten Fundorten wurden zwischen Juli und November extrem weiche, mineralstoffarme und saure Bedingungen gemessen. Naturwerte können jahreszeitlich schwanken
|
pH -Wert |
5,2–6,4 |
|
Leitwert |
10–20 µS/cm |
|
Gesamthärte |
unter 1 °dGH |
|
Karbonathärte |
Sehr gering; keine separate belastbare Messreihe veröffentlicht |
|
Temperatur |
25,1–31 °C |
|
Nitrat |
n.nvb. |
Die natürliche Lebensweise der Apistogramma erythrura
Apistogramma erythrura lebt überwiegend in Ufernähe und nutzt dichte Pflanzenmatten als Deckung. Anders als viele ausschließlich bodennah wahrgenommene Zwergbuntbarsche wurden diese Fische auch dicht unterhalb der Wasseroberfläche zwischen der Vegetation beobachtet.
Innerhalb geeigneter Habitate können größere Ansammlungen vorkommen, wobei die einzelnen Tiere dennoch kleine Reviere bilden.
Die Art ist territorial und polygam. Das größere Revier eines Männchens kann mehrere kleinere Weibchenreviere umfassen. Während der Fortpflanzung verteidigen die Weibchen den unmittelbaren Bereich um Laichplatz und Jungfische besonders energisch.
Ernährung des Apistogramma erythrura in der Natur
Magenuntersuchungen zeigen eine überwiegend tierische Ernährung. Einen wichtigen Anteil bilden Wasserflöhe aus der Unterordnung Anomopoda. Zusätzlich werden Ruderfußkrebse, Milben, Mückenlarven und weitere Insektenlarven gefressen.
Die Tiere suchen ihre Beute zwischen Pflanzen, im Aufwuchs und in feinen Ablagerungen.
Damit ist Apistogramma erythrura als carnivorer Kleintier- und Zooplanktonfresser einzuordnen. Pflanzliche Bestandteile können bei der Nahrungssuche unbeabsichtigt aufgenommen werden, stellen jedoch keinen wesentlichen Teil der natürlichen Ernährung dar.
Geschlechterunterscheidung und Brutverhalten
Ausgewachsene Männchen sind größer, hochrückiger und deutlich variabler gefärbt. Es kommen hellblaue und gelbliche Farbmorphen vor. Die vorderen Membranen der Rückenflosse und die Bauchflossen sind verlängert; die Schwanzflosse kann teilweise oder vollständig rot gefärbt sein. Weibchen bleiben kleiner und färben sich während der Brutpflege leuchtend gelb.
Die Art ist ein Substrat- beziehungsweise Höhlenbrüter. Neben Höhlendecken wird in der Natur bevorzugt die Unterseite von Blättern als Laichplatz genutzt. Das Weibchen übernimmt die direkte Pflege von Eiern und Larven, während das Männchen das größere Außenrevier verteidigt. Bei 27 °C schlüpfen die Larven ungefähr drei Tage nach der Eiablage und schwimmen etwa fünf Tage später frei. Das Weibchen kann die Jungfische anschließend mehrere Wochen führen.
Der Rio Mamore Zwergbuntbarsch im Aquarium
Feiner, abgerundeter Sand ist der geeignete Bodengrund. Die Fische durchsuchen das Substrat nach Nahrung und geben Sand über Maul und Kiemen wieder ab. Grober oder scharfkantiger Kies behindert dieses Verhalten. Wurzeln, standsichere Steine und dichte Pflanzenbestände gliedern das Aquarium. Besonders passend sind Pflanzen, die bis zur Oberfläche reichen, sowie Schwimmpflanzen mit langen Wurzeln.
Sie bilden Deckung ähnlich den natürlichen Pflanzenmatten. Gleichzeitig müssen kleine freie Bereiche für die Nahrungssuche erhalten bleiben. Pro Weibchen sollten mehrere Laichplätze vorhanden sein. Geeignet sind kleine Tonhöhlen, seitlich geöffnete Kokosnussschalen, Laubunterstände und breite Pflanzenblätter. Eine Schicht aus geeignetem Herbstlaub schafft weitere Deckung und fördert Mikroorganismen.
Huminstoffe können über Laub, Erlenzapfen oder geeignete Präparate eingebracht werden. Eine Torffilterung ist möglich, aber nur bei kontrollierter Wasserchemie sinnvoll.
Wasserwerttoleranzen im Aquarium
|
pH -Wert |
5,0–6,8; günstig etwa 5,5–6,5 |
|
Leitwert |
möglichst unter 200 µS/cm; zur Zucht deutlich niedriger |
|
Gesamthärte |
ca. 1–9 °dGH; zur Zucht möglichst unter 5 °dGH
|
|
Karbonathärte |
ca. 0–4 °dKH |
|
Temperatur |
25–30 °C; dauerhaft günstig etwa 25–28 °C |
|
Nitrat |
möglichst unter 20 mg/l
|
Die Art benötigt weiches, saures und sehr sauberes Wasser. Nitrit muss dauerhaft nicht nachweisbar sein. Bei einer sehr geringen Karbonathärte ist der pH-Wert regelmäßig zu kontrollieren, da die Pufferwirkung des Wassers schwach ist. Große und abrupte Schwankungen sind zu vermeiden.
Haltung von Rio Mamore Zwergbuntbarschen im Aquarium
Apistogramma erythrura ist polygam. Für eine artgerechte Gruppe aus einem Männchen und mehreren Weibchen empfiehlt sich ein Aquarium ab 100 cm Kantenlänge mit großer Grundfläche. Ein einzelnes harmonierendes Paar kann in einem kleineren, sehr gut strukturierten Artbecken gepflegt werden; 80 cm.
Jedes Weibchen benötigt ein eigenes, optisch abgetrenntes Kleinrevier mit mehreren Verstecken. Das Revier des Männchens kann diese Bereiche überlagern. Fehlen Sichtbarrieren, können unterlegene Tiere dauerhaft bedrängt und verletzt werden. Grundfläche und Struktur sind deshalb wichtiger als eine besonders große Wasserhöhe.
Ernährung des Rio Mamore Zwergbuntbarsches im Aquarium
Die Art ist ein carnivorer Kleintierfresser. Besonders geeignet sind kleine Lebend- und Frostfuttersorten wie Artemia, Cyclops, Daphnien, Bosmiden, Mysis sowie schwarze und weiße Mückenlarven. Auch kleine Krebstiere und passende Würmer können abwechslungsweise angeboten werden.
Hochwertiges feines Granulat wird von eingewöhnten Nachzuchten häufig angenommen, sollte aber nicht die gesamte Ernährung ausmachen. Eine abwechslungsreiche tierische Kost unterstützt Kondition, Färbung und Fortpflanzungsbereitschaft. Mehrere kleine Portionen belasten das Wasser weniger als eine große Fütterung.
Vergesellschaftung mit dem Rio Mamore Zwergbuntbarsch
Eine Vergesellschaftung ist mit friedlichen Fischen möglich, die vergleichbar weiches, saures und warmes Wasser benötigen. Kleine Salmler und andere ruhige Arten der mittleren oder oberen Wasserzone eignen sich besser als aggressive oder hektische Fische. Sehr kleine Beifische können grundsätzlich als Beute betrachtet werden.
Bodenbewohnende Arten dringen regelmäßig in die Reviere der Zwergbuntbarsche ein und können besonders während der Brutpflege erheblichen Stress verursachen. Corydoras und andere bodenorientierte Fische sind daher nur in deutlich größeren, stark gegliederten Aquarien sinnvoll. Zwerggarnelen und deren Nachwuchs gehören zum natürlichen Beutespektrum.
Zucht von Apistogramma erythrura
Für eine zuverlässige Fortpflanzung sollte das Wasser sehr weich, sauer und keimarm sein. Eine Gesamthärte unter 5 °dGH, ein niedriger Leitwert und ein pH-Wert um 5 bis 6 sind günstig. Natürliche Huminstoffe, Laub und abwechslungsreiches Lebendfutter können die Laichbereitschaft fördern. Das Weibchen befestigt die Eier an der Decke einer Höhle oder an der Unterseite eines Blattes.
Anschließend übernimmt es die direkte Brutpflege, während das Männchen das größere Revier verteidigt. Bei ungefähr 27 °C schlüpfen die Larven nach etwa drei Tagen. Rund fünf Tage später ist der Dottersack verbraucht und die Jungfische schwimmen frei. Die Jungfische können mit Rädertierchen, frisch geschlüpften Artemia-Nauplien, Mikrowürmern und anderem geeigneten Kleinstfutter aufgezogen werden. Später folgen Cyclops und kleine Wasserflöhe.
Eine automatische Trennung ab 0,5 cm ist nicht erforderlich. Separiert wird nur, wenn die Jungfische im Gesellschaftsbecken gefährdet sind, die Mutter sie nicht mehr führt oder eine gezielte Fütterung sonst nicht möglich ist.
Besondere Hinweise
Apistogramma erythrura reagiert empfindlich auf schlechte Wasserhygiene, erhöhte Stickstoffwerte und abrupte Änderungen der Wasserchemie. Kleine regelmäßige Wasserwechsel mit passend aufbereitetem Wasser sind sicherer als seltene, sehr große Wechsel.
Die frühere Bezeichnung Apistogramma sp. „Mamoré“ ist im Handel noch anzutreffen. Der seit 2008 gültige wissenschaftliche Name lautet Apistogramma erythrura.
Kommentare (0)